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17. Dezember 2021

„Verbraucherverschuldung in den Zeiten von Covid-19“

Für den 16. Dezember 2021 hatte der Sachverständigenrat für Verbraucherfragen (SVRV) zur virtuellen Veranstaltung „Verbraucherverschuldung in den Zeiten von Covid-19“ eingeladen. Bis zu 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Verbraucherschutz, Sozialverbänden, Wirtschaft und diversen Ministerien nahmen die Einladung an und beteiligten sich an den Diskussionen.

Eine bedeutsame Restriktion selbstbestimmter Verbraucherentscheidungen liegt in den finanziellen Grenzen, die ein Verbraucher bzw. eine Verbraucherin tagtäglich wahrnimmt. Die Aufgabe des Staates kann es zwar nicht sein, diese Restriktionen vollständig zu beseitigen; gleichwohl sollte aus Sicht des SVRV die Verbraucherpolitik Sorge dafür tragen, dass in einer krisenhaften Situation ein Mindestmaß an Selbstbestimmung auch in ökonomischer Hinsicht für jede Verbraucherin und jeden Verbraucher gewährleistet wird. Vor diesem Hintergrund wollte der SVRV zentrale empirische Erkenntnisse zum Thema Verbraucherver‑ und ‑überschuldung zusammentragen und die sich daraus ergebenden Fragen mit einem Fachpublikum diskutieren.

Nach einem Grußwort der designierten Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, Dr. Christiane Rohleder, und einer Einführung in die Thematik durch den Vorsitzenden des Sachverständigenrates, Prof. Dr. Peter Kenning, wurden im ersten Teil der Veranstaltung drei Themenbereiche in Form von Vorträgen mit anschließenden Diskussionsrunden behandelt: Zum Themenbereich „Ver- und Überschuldung: Konzepte, Entwicklungen, Ursachen“ gab Dr. Sally Peters (geschäftsführende Direktorin iff, Hamburg) einleitend einen Überblick über die Verbraucherverschuldung in Deutschland. Serena Holm (Bereichsleiterin Corporate Affairs, Schufa, Berlin) stellte anschließend aktuelle Ergebnisse und Entwicklungen des Schufa Risiko- und Kredit-Kompasses vor und Dr. Dieter Korczak (Geschäftsführer der GP-Forschungsgruppe, Bernau) referierte zu den Ursachen von Verbraucherverschuldung. Grundlage der Diskussion zum Themenbereich „Gesellschaftlicher Kontext von Verschuldung“ waren darauf folgend Vorträge von Dr. Markus Grabka (Direktorium SOEP, Senior Research Associate DIW Econ, Berlin) über die Entwicklung von Einkommen, Vermögen und Verbindlichkeiten privater Haushalte in Deutschland und von Dr. Judith Niehues (Leiterin der Forschungsgruppe Mikrodaten und Methodenentwicklung, IW, Köln) über Armut in Deutschland und die Verschuldungssituation im Niedrigeinkommensbereich. Zum Themenbereich „Maßnahmen zur Wiederherstellung und Sicherung ökonomischer Selbstbestimmung“ berichtete Ines Moers (Geschäftsführung BAG-SB, Berlin) über private Verschuldung in der Corona-Krise und diskutierte, wie die Schuldner- und Insolvenzberatung gestärkt werden kann. Anschließend stellte Dr. Irina Domurath (Associate Professor für Privatrecht, Universidad Central de Chile) ein im Auftrag des SVRV erstelltes Kurzgutachten mit dem Titel „Systemrelevanter Verbraucherkredit als Antwort auf Überschuldung von Lehmann bis Covid“ vor.

Im zweiten Teil der Veranstaltung fand eine virtuelle Podiumsdiskussion statt. Es diskutierten Dr. Gesine Lötzsch (Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion DIE LINKE, Mitglied im Haushaltsausschuss), Stefan Schmidt (Mitglied im Finanzausschuss, zuständig für finanziellen Verbraucherschutz innerhalb der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen), Klaus Müller (Vorstand vzbv), Roman Schlag (Sprecher der AG Schuldnerberatung) und Helga Springeneer (Leiterin der Abteilung Verbraucherpolitik; Digitale Gesellschaft; Verbraucherrechtsdurchsetzung im Bundesministerium der Justiz).

Bericht des Deutschlandfunks vom 16.12.2021 zur Veranstaltung

Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zur Veranstaltung sowie ausgewählte Präsentationen der Vortragenden:

Material Vortrag Ines Moers